FAQs - Allgemein

Entscheidungshilfe / grundlegende Fragen

A1) Wann kann ich unter Umständen auf eine kontrollierte Wohnraumlüftung verzichten?


Eine kontrollierte Wohnraumlüftung ist keinesfalls immer unverzichtbar, wie manchmal dargestellt wird. In folgenden Fällen kann meiner Meinung nach durchaus darauf verzichtet werden, da die Luftqualität bei Nutzung nur langsam absinkt, bzw. die Gefahr von Überfeuchtung bzw. Schimmelbildung niedrig ist: - alle Aufenthaltsräume insbesonders Schlafräume verfügen über ein sehr großes Luftvolumen (>50 m³ pro anwesender Person) und diese Räume werden nach Bedarf, aber zumindest 2-3 mal täglich gründlich stoßgelüftet bzw. durch Querlüftung von überschüssiger Feuchte und Schadstoffen befreit. - alle Aufenthaltsräume insbesonders Schlafräume verfügen über ein großzügiges Luftvolumen (>25 m³ pro anwesender Person) und besitzen sehr undichte Fenster, die auch in absehbarer Zeit nicht saniert werden sollen. Die Fenster werden bei Anwesenheit von Personen im Raum bei Windstille bzw. moderaten Außentemperaturen zusätzlich in Kippstellung gebracht. - das Haus / die Wohnung ist im Verhältnis zur Bewohneranzahl sehr groß und wird nur selten und wenig intensiv genutzt, d. h. die Feuchte- und Schadstofffreisetzung ist sehr gering. Bitte lesen Sie auch unter Frage A2)




A2) Wann ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung eigentlich unverzichtbar?


In vielen Fällen kann der Verzicht auf eine Komfortlüftung zu Problemen führen. Das beweist auch die stetig steigende Nachfrage nach Nachrüstungen in Gebäuden, die nicht älter als 20 Jahre sind, oder vor kurzem thermisch saniert wurden. Ein durchschnittlich genutztes Haus / Wohnung mit 4 Personen benötigt täglich ein Frischluftvolumen, das dem Füllinhalt eines Heißluftballons entspricht. Diese Menge lässt sich mit 3-4 mal täglich Stoßlüften nicht erreichen. Wann sollte man ernsthaft über die Integration einer Komfortlüftung nachdenken? + in jedem Neubau, der über luftdichte Fenster verfügt (eventuelle Ausnahmen siehe unter Frage A1) + wenn das Gebäude Wärmebrücken aufweist, bzw. unzureichend gedämmt ist, oder nicht ausreichend oder vollständig geheizt werden kann (Gefahr von Schimmelbildung) + wenn gesunde, frische Raumluft für die Personen Priorität hat, insbesondere in den Schlafräumen. (Dieser Punkt ist unabhängig von der am Gebäudestandort herrschenden Außenluftqualität) + wenn der thermische und akustische Komfort für die Personen hohe Priorität, der durch geöffnete Fenster nicht gestört werden soll. Das Öffnen der Fenster ist jederzeit möglich, aber nicht unbedingt erforderlich. + wenn ein oder mehrere Familienmitglieder unter Allergenen leiden, die aus der Außenluft stammen (Pollen), oder Allergenen, die durch mangelnden Luftwechsel vor allem in der kalten Jahreszeit vermehrt auftreten (Hausstaubmilbenkot, Schimmelsporen). + wenn die Außenluft außergewöhnlich stark mit Staub belastet ist (Grobstaub, Feinstaub, Russ) infolge Straßenverkehr, Hausbrand, Industrie, etc. + wenn am Gebäudestandort längeranhaltende Lärmbelastungen zu erwarten sind. + wenn das Gebäude einen sehr niedrigen Energiebedarf und eine hohe Energieeffizienz erreichen soll. + wenn die Werterhaltung eines Gebäudes gesichert sein soll. Personen, die eine gute kontrollierte Wohnraumlüftung gewohnt sind, würden es vermeiden, in ein Haus ohne Lüftung einzuziehen. + wenn eine erhöhter Einbruchs- und Versicherungsschutz gegeben sein soll, da in Abwesenheit die Fenster geschlossen bleiben können.




A3) Warum überhaupt luftdicht bauen?


Eine dauerhaft luftdichte Bauweise hat folgende Vorteile: dauerhaft trockene Dämmstoffe und Bauteilschichten keine Durchströmung der Baukonstruktion mit feuchtwarmer Raumluft, dessen Wasserdampf sich darin abkühlt und durch Kondensation Bauteilschichten durchfeuchtet. Dies hat folgende positive Auswirkungen: + dauerhaft trockene Dämmstoffe sind Voraussetzung für eine optimale Wärmedämmung + Verhinderung von baustoff-zersetzenden Schimmelpilzen + Verhinderung erhöhter Konzentrationen von Schimmelsporen in der Raumluft bei Durchströmung der Baukonstruktion von außen nach innen (infolge Winddruck) weitere Vorteile für die Gesundheit und den Komfort der Bewohner + Verhinderung der Einströmung von Gerüchen, Stäuben und Fasern aus der Baukonstruktion + Verhinderung zu starker Austrocknung der Raumluft im Winter und Eindringen von feucht-schwüler Außenluft im Sommer Baulicher Brandschutz und Sicherheit von Personen im Brandfall + Verhinderung von Rauchübertragung und heißen, entzündlichen Gasen + Verhinderung von Sauerstoffzufuhr zu Brandherden z. B. Bränden in der Konstruktion Optimaler Schallschutz + deutlich verbesserter Schallschutz von Außenbauteilen (Wände, Dächer, Fenster, Türen) Verbesserung des thermischen Komforts + Komfortverbesserung (kein Luftzug, keine Kaltluftseen am Boden)




A4) Warum ist Lüften eigentlich erforderlich?


Der Mensch atmet täglich zwischen 10.000 und 20.000 Liter Luft, um Sauerstoff für den Stoffwechsel aufzunehmen und Schlacken- bzw. Schadstoffe durch die Ausatemluft wieder loszuwerden. In unserer Zivilisation halten wir uns zu etwa 90% unseres Lebens in geschlossenen Räumen auf. Davon entfallen etwa zwei Drittel auf die eigenen "vier Wände". Der Qualität und Zusammensetzung der Atemluft im eigenen Haus / eigenen Wohnung sollte hinsichtlich dieser Fakten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die wichtigsten Quellen der Verunreinigung: Im Durchschnitt ist die Raumluft qualitativ immer schlechter als die Außenluft. Dies gilt auch für Gebäude an stark befahrenen Straßen, da zu den Außenluftschadstoffen noch zusätzliche Raumluftstoffe hinzukommen. In dicht belegten Räumen ist der Mensch selbst der größte Luftverunreiniger. Die Lunge eines Erwachsenen hat eine Oberfläche von ca. 100 bis 140 m². Durch diese entledigt sich der Körper von unterschiedlichen Schadstoffen, unter anderem von CO2, das durch den Stoffwechsel als Abfallprodukt anfällt. In der Außenluft sind ca. 0,04 Vol% CO2 enthalten, in der Außatemluft ca. 4%, also das Hundertfache. Dementsprechend treten in der Raumluft bei Anwesenheit von Menschen deutlich höhere CO2-Konzentrationen auf, als in der Außenluft. Hinzu kommen noch Ausdünstungen über die Hautoberfläche. Auf diese geänderte Zusammensetzung der Luft reagiert der Mensch empfindlich. Symptome sind beispielsweise Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, verringerte Leistungsfähigkeit. Längerfristige Auswirkungen sind noch weitgehend unerforscht, da das Leben in nicht ausreichend gelüfteten Räumen erst in den letzten 20 Jahren vermehrt vorzufinden ist. Da viele Schadstoffe geruchlos sind, sollte man sich beim Lüften nicht allein auf die Nase verlassen. Vorsorglich ist daher ein kontinuierlicher, belegungsabhängiger Luftwechsel vorzunehmen. Neben Schadstoffen durch den Stoffwechsel des Menschen und durch Einrichtungsoberflächen, Kosmetika und Chemikalien im Haushalt, ist es auch die Feuchtefreisetzung im Haushalt, die Probleme bereiten kann. In einem 4-Personenhaushalt werden täglich zwischen 4 bis 10 Liter Wasser freigesetzt (Atmung und Transpiration, Körperpflege, Wäschetrocknen, Zimmerpflanzen, etc.). Wird der überschüssige Wasserdampf über mehrere Wochen nicht ausreichend abgeführt, feuchtet die Bausubstanz zunehmend auf. Dies führt im Zusammenspiel mit hohen Oberflächenfeuchten zu einer erhöhten Gefahr, das Schimmelpilzwachstum in Gang zu bringen. In den letzten Jahren rücken auch Gerüche immer mehr in das Interesse der Forschung. Gerüche können nicht nur bloß störend wirken, sondern längerfristig auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.




A5) Kann man ein wohnungsweises (zentrales) System auch nachträglich integrieren, oder sind raumweise (dezentrale) Geräte besser geeignet?










"Warum lüften wir?"

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erstellt im Projekt "EnergieAudioAkademie", 5 Teile, insgesamt ca. 30 min

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