Luftdichte Bauweise und Frischluftbedarf - ein Widerspruch?

Die Weiterentwicklung der Bautechnik ermöglicht seit etwa 20 Jahren eine zunehmend bessere Dichtheit der Gebäude. Im ersten Moment erscheint diese Entwicklung im krassen Gegensatz zu unserem Bedürfnis nach Frischluft zu stehen. Aus Komfort- und Energiespargründen würde heute aber niemand mehr ein undicht gebautes Gebäude akzeptieren. Allein durch den Einbau dicht schließender Fenster werden Häuser noch nicht ausreichend luftdicht, jedoch ist der verbleibende natürliche Luftwechsel über Fugen in der Baukonstruktion weder bauphysikalisch erwünscht, noch hygienisch geeignet, um zufriedenstellende Raumluftzustände für den Menschen und einen ausreichenden Feuchte- und Schimmelschutz für die Bausubstanz zu gewährleisten. Die gesamte Verantwortung für den erforderlichen Luftwechsel wird den Nutzern übertragen. Die damit verbundenen Problem sind heute das tägliche Geschäft von Sachverständigen und Richtern, die im Schadensfall sehr oft dem Nutzer zumindest eine Teilschuld für falsches Lüftungs- und Heizungsverhalten zusprechen.

Ziel eines der heutigen Zeit entsprechenden Lüftungskonzeptes ist es, die Luft über hygienisch einwandfreie, sauber gehaltene, und gegebenenfalls einfach reinigbare, kurze Wege ins Haus zu leiten und den Luftwechsel unabhängig von den Witterungsbedingungen an die Bedürfnisse des Menschen anzupassen (= Komfortlüftung). Die Nutzer sollten die Möglichkeit haben, jederzeit zusätzlich über Fenster lüften zu können. Der Luftwechsel über Undichtheiten in der Gebäudekonstruktion sollte aus Gründen der möglichen konvektiven Wasserdampfkondensation und den damit verbundenen hygienischen Bedenken (Fasern, Stäube, Gerüche, mögliche Schimmelpilzbildung) so weit wie möglich unterbunden werden.

 

Gebäudeluftdichtheitsmessung (Blower Door Test)

Zur quanitativen Überprüfung des Leckagevolumenstroms haben sich sogenannte Blower-Door-Tests etabliert. Im Zuge der Messungen bei Unter- und Überdruck gemäß ÖNORM EN 13829 bzw. ISO 9972 sollte auch eine qualitative augenscheinliche Beurteilung der kritischen Bereiche bzgl. verwendeter Materialien und Ausführungsqualität erfolgen.

Mit Hilfe der Differenzdruck-Messmethode kann der Leckage-Luftvolumenstrom gemessen werden, der durch eine mittels Ventilator erzeugte Druckdifferenz von 50 Pascal durch die Gebäudehülle erzwungen wird. Die Messmethode simuliert damit einen allseitig auf das Gebäude wirkenden, konstanten Winddruck. Als standardisierter Vergleichswert wird die Luftwechselzahl n50 berechnet. Dabei wird der Leckagevolumenstrom durch das Innenvolumen des gemessenen Gebäudes dividiert.

wichtiger Hinweis: ein positives Messergebnis beim Blower-Door-Test bedeutet nicht, dass es keine bauschädlichen Mängel geben kann! Eine zusätzliche Leckagesuche ist daher jedenfalls empfehlenswert.

Bei Unterdruckverhältnissen können Lufteintritte auf der Rauminnenseite (luftdichte Ebene = Putz, Platten, Folien, Beton, etc.) festgestellt und in manchen Fällen sofort beseitigt werden.

 

Zeitpunkt der Messungen:

Um eventuelle Mängel noch vor dem Innenausbau beseitigen zu können, wird eine Messung zu einem Zeitpunkt empfohlen, wo alle wesentlichen luftdichten Bauteilanschlüsse fertiggestellt sind. In der Baupraxis können während der Bauphase meist noch nicht alle relevanten Bauteile und -anschlüsse getestet werden. Die Förderstellen fordern daher meist einen Test nach Fertigstellung des Gebäudes. Je nach Baufortschritt und Baukonstruktion kann es daher notwendig sein, zwei zeitlich voneinander unabhängige Messungen machen zu lassen.

Achtung: Die in der Norm angegeben beiden Verfahren ("A" = im Nutzungszustand, "B" = Prüfung der Gebäudehülle) beschreiben die Art der Präperation von absichtlich vorhandenen Öffnungen im Gebäude (z. B. Briefschlitze, Katzentüren, Außenluftdurchlässe, Verbrennungsluftzuführungen, etc.), haben aber nichts mit dem Zeitpunkt der Messung zu tun. Unter bestimmten Voraussetzungen ist daher eine Luftdichtheitsmessung nach Verfahren "A" bereits vor Fertigstellung des Gebäudes möglich.

 

Messbericht oder Messprotokoll:

Nach Durchführung der Untersuchungen wird dem Auftraggeber der gutächterliche Messbericht in 2-facher Ausfertigung übersendet.

Bei Vorprüfungen, die noch nicht die endgültige Abnahmemessung darstellen, wird ein Messprotokoll angefertigt, dass neben den Messergebnissen auch eine Mängelliste mit fotografischer Dokumentation enthält.

 

Kosten für Einfamilienhäuser oder Einzelwohnungen:

Messungen und Untersuchungen werden nach tatsächlichem Aufwand mit einem Stundensatz von €70,-- abgerechnet. Die kleinste Zeiteinheit sind 0,5h. Für die Fahrtkosten werden €0,50/km angesetzt.

Beispiel Einfamilienhaus: Gesamtzeitaufwand für Fahrt, Berechnung, Messung und Bericht  5,5 h: €385,--

Fahrtstrecke 70 km á €0,50: €35,--

Gesamtbetrag: €420,--

Alle angegebenen Preise verstehen sich exkl. Mwst.

 

Kosten für Mehrfamilienhäuser und Wohnbau:

Bei mehr als einer Wohneinheit setzen sich die Kosten wie folgt zusammen:

Fixkosten pro Messtermin unabhängig von der Anzahl der zu messenden Wohneinheiten: €150,-- 

Kosten je WE: €100,--

Aufschlag für Wohneinheiten mit Schrägdächern, je WE: €30,-- 

Fahrzeit: €70,-- / h (kleinste Zeiteinheit 0,5 h)

Fahrtkosten: €0,50 / km

Zusatzarbeiten und Wartezeiten werden mit €70,-- / h  (kleinste Zeiteinheit 0,5 h) abgerechnet

Alle angegebenen Preise verstehen sich exkl. Mwst. 

 

Gutachten zu Lüftungsanlagen

Um den Bedarf an Gutachten aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern in Grenzen zu halten, empfehlen wir allen Bauherrn / Baufrauen sich ausreichend zu informieren und sich entsprechend unabhängig von uns beraten zu lassen.

Professionisten empfehlen wir, sich zumindest mit den geltenden Normen (ÖNORM H 6038) auseinanderzusetzen und das Schulungsangebot zu nutzen.

Im Streifall stehen wir gerne als Vermittler bzw. Mediator zur Verfügung. Gegebenenfalls ist die Erstellung eines unabhängigen Gutachtens möglich.